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Landsberger Eltern-ABC
Ein Elternbildungsprogramm

Vortrag “Brüderchen und Schwesterchen”

Wenn ein Baby sich ankündigt, ist das für sein Geschwisterchen nicht immer ein Grund zur Freude. Es hat Angst, von seinem Platz verdrängt zu werden, Liebe und Aufmerksamkeit der Eltern zu verlieren. Andererseits bieten Geschwister oft die wichtigste und längste Beziehung eines Menschen. Wie Eltern den Weg für eine positive Geschwisterbeziehung ebnen können, schilderte Familientherapeutin Elke Huber beim Vortrag „Brüderchen und Schwesterchen“ des Landsberger Eltern-ABC.

Geschwisterbeziehungen sind meist sehr ambivalent: Auf der einen Seite bestehen tiefe Gefühle der Nähe, auf der anderen Seite bestimmen Eifersucht und Konkurrenz das Verhältnis, erläuterte Elke Huber. Auf jeden Fall bieten Geschwister eines der wichtigsten Lernfelder der ersten zehn Jahre. Die Kinder lernen zu teilen, sich mit angenehmen und unangenehmen Gefühlen auseinander zu setzen, sich abzugrenzen oder Nähe zu suchen.

Die Qualität der Geschwisterbeziehung hängt laut Huber von einer ganzen Reihe von Faktoren ab. Dabei spielen unter anderem der Altersunterschied und das Geschlecht, vor allem aber die Eltern eine große Rolle. Diese beeinflussen die Beziehung je nachdem, welche Erwartungen sie an die Kinder haben, welche Geschwisterrolle sie selbst eingenommen haben und vor allem dadurch, wie sie ihr Kind erziehen. Ideal wäre der Erziehungsstil „Freiheit in Grenzen“, bei dem die Kleinen aus der sicheren Basis der Eltern heraus die Welt innerhalb klarer Regeln ausprobieren, so Huber.

Am besten fördern Eltern eine positive Geschwisterbeziehung dadurch, dass sie jedes Kind als einzigartig wahrnehmen und offene wie verdeckte Vergleiche zwischen den Geschwistern vermeiden. Kinder versuchten ohnehin, sich zu unterscheiden, indem jedes eine bestimmte Nische einnimmt – zum Beispiel folgt auf ein herziges Mädchen oft ein eher burschikoses.

Eltern können schon vor der Geburt des Geschwisterchens für ein positives Klima sorgen, erläuterte die Familientherapeutin. So sollten Eifersucht und Sehnsucht nach der eigenen Babyzeit ernst genommen und angesprochen werden. Vor allem aber müssten Eltern das Geschwister mit einbeziehen, indem sie betonen, wie wichtig es für das Baby ist. Gemeinsames Basteln von Mobiles oder das gemeinsame Einrichten des Babyzimmers sind hier wichtige Schritte, so Huber. Allerdings sollte das Baby nicht als neuer Spielkamerad angepriesen werden, weil sonst Enttäuschungen vorprogrammiert sind.

Nach der Geburt sind weitere Veränderungen erst einmal tabu – zum Beispiel sollte das ältere Kind nicht gerade dann in ein neues Zimmer umziehen. Wichtig ist es dagegen, auch ausreichend Zeit für Unternehmungen mit dem größeren Geschwister einzuplanen, es in die Pflege des Babys einzubeziehen und Verwandte und Freunde zu instruieren, das ältere Kind entsprechend zu beachten. Außerdem sollten Eltern ihren Kindern helfen, mit negativen Emotionen umzugehen, indem sie diese genau benennen und dann gemeinsam eine Lösung finden. Dadurch entwickeln Kinder auf Dauer auch das nötige Einfühlungsvermögen.

Eltern muss bewusst sein, dass ein gewisses Maß an Eifersucht, Wut und Konflikten zwischen Geschwistern normal ist – gerade, wenn der Altersunterschied relativ gering ausfällt. Liegen drei oder gar fünf Jahre zwischen den Kindern, gibt es meist weniger Konflikte. Väter und Mütter sollten sich aber auch klar machen, dass sie ihre Kinder nicht gleich behandeln können. Wichtig ist es vielmehr, sie individuell zu betrachten – und gerade bei nah aufeinanderfolgenden Geschwistern den Altersunterschied dadurch deutlich zu machen, dass das Größere schon mehr darf, aber auch kleine Aufgaben übernimmt.

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